„In den 60er und 70er Jahren bestimmte Berry Lipman die Musikszene”

Berry Lipmann
Berry Lipmann

„Der da oben hatte was mit mir vor”

    

BEGRMHEIM-GLESSEN. „Keep on smiling“, so hieß sein Hit, mit dem er 1967 weltberühmt wurde. Er hat ihn nicht gesungen, sondern komponiert: Berry Lipman. Geboren als Friedel Berlipp 1921 in Burgdorf bei Hannover, begann seine außergewöhnliche Karriere mit klassischem Violinen-Unterricht. Nach der Schule besuchte er das Konservatorium, heute die Musikhochschule, in Hannover. „Doch da war einer, der wollte, dass ich als Soldat in den Krieg zog“, erinnert sich Berry Lipman an seine Jugend. „Mit 19 musste ich an die Front.“ Sein Traum zerbrach, wie bei so vielen Menschen. Und als er dann noch zwei Finger an der rechten Hand verlor, schien für ihn zunächst eine Musikkarriere beendet.

„Doch der da oben, der hatte noch was mit mir vor“, sagt der heute 85-Jährige lächelnd. Von der Geige sattelte er auf Gitarre und später auf Posaune, Schlagzeug und Gesang um. Zudem entstanden 5000 Musikproduktionen, die er komponiert hat. „1945 bekam ich mein erstes Engagement beim Staatstheater Oldenburg“, erinnert sich der rüstige Rentner, der täglich schwimmt, jedes Jahr bis zu einem Zentner Heidehonig aus der Lüneburger Heide isst und zehn Pfund Äpfel in der Woche vertilgt. „Das hält jung.“

Jung hält ihn auch die Erinnerung an seine Musik. Nachdem er beim Rundfunk als Arrangeur gearbeitet hat, entdeckte ihn 1951 die Schallplattenfirma Decca. Drei Jahre später wurde er Orchesterchef und Komponist bei der EMI. 1967 gelang ihm der Durchbruch mit dem von James Lloyd gesungenen Hit „Keep on smiling“. Im selben Jahr gründete er das Berry Lipman Orchester, für das er mit seinem für ihn typischen Stil einen Evergreen nach dem anderen aus den Ärmel schüttelte.

Es entstanden Klassiker, die auch heute noch nichts an Charme verloren haben. Komponiert hat er für Gitte, Cindy und Bert, Petula Clark, Conny Froboess, Chris Howland, Zahra Leander und Cliff Richard. Sein Stil: Party-Sound mit Latin-Touch von Swing und Samba bis Jazz. „Es war leichte und beschwingte Tanzmusik“, und während er das sagt, spielt er einen seiner Evergreens an und schwingt mit den Hüften. Manch ein von ihm komponierter Jife wird noch heute auf Tanzturnieren gespielt.

Lipmann sieht sich als Künstler. Typen wie Dieter Bohlen nennt er „Musik-Jobber“, weil sie mit der Musik „nur Geld“ verdienen und keine Evergreens produzieren würden. Sein Repertoire, so sagt er, gehe von der „Fünften Sinfonie“ bis zum „Hänschen Klein“. Und so komponierte er auch ganz untypisch für ihn 1974 „Golgatha beat-oratorium“ für einen Kirchenchor. „Der Erlös dieser Platte war für einen guten Zweck, damit wollte ich mich bei Gott bedanken für mein tolles Leben.“ Seine Frau Trine von Stolzenau, eine Pastorentochter, schrieb den Text dazu. Genau wie für das Kindermusical „Mr. Mock“, was er 1978 produzierte.

Übrigens: 1975 entwickelte er zusammen mit einigen anderen Komponisten den Elektro-Stil, was er gleich umsetzte für die TV-Serie „Star Maiden“, für welche er die Filmmusik komponierte. 1978 war auch das Jahr, in dem Berry Lipman den Brauweiler Karnevalsfreunden ein Geschenk der besonderen Art machte. Er komponierte der Karnevalsgesellschaft einen Marsch, den der „Swingende Sound-Meister“, wie er von einigen in den 60er und 70er Jahren genannt wurde, Anfang diesen Jahres neu arrangiert und aufgenommen hat. Und was macht der in die Jahre gekommene Komponist sonst noch so? „Momentan räume ich mein Archiv auf, um eine relative Ordnung zu schaffen. Schließlich kann mir morgen schon was passieren.“
        
    

Christine Blödtner-Piske
   


Inline-Skaterhockey: Offizielle Saisoneröffnung mit Schall und Rauch

Barracudas Kerpen
Barracudas Kerpen

Die Kleinen waren die Größten    



KERPEN. Es ist nachtdunkel in der Dreifachturnhalle des Schulzentrums Horrem/Sindorf. Rauch steigt auf, fetzige Musik ertönt, ein Scheinwerfer geht an: Aus der Tür gegenüber der Tribüne kommt der erste Spieler von den Kerpener „Barracudas“: Es ist der kleine Bambini-Stürmer René Schulze. Ihm folgen bei der Saisoneröffnung der Inline-Skaterhockey-Abteilung des SSK Kerpen alle anderen, jeder einzelne der insgesamt sechs Teams.

 Nach den Bambini stellen sich die Spieler der ersten und zweiten Jugendmannschaften-, der ersten Junioren-, der zweiten Herren- und der ersten Herrenmannschaft vor. Insgesamt bieten die Kerpener in der neuen Saison 90 Spieler auf, die bei den „Barracudas“ „Eishockey des Sommers“ spielen.

 Angefangen hat das alles im Jahre 2003. Die erste Herrenmannschaft spielte in der Regionalliga West. „Unser Training sah so aus, dass ein Ball in die Mitte geworfen und dann damit gespielt wurde“, sagt Erik Sauer, Pressesprecher der Abteilung und Spielertrainer bei der zweiten Mannschaft.

Die Kerpener Inline-Skaterhockeyteams haben sich aber in den vergangenen drei Jahren prächtig entwickelt. Ausgebildete Trainer arbeiten nach ausgefeilten Trainingskonzepten und trainieren die Spieler in Technik und Taktik. Auch das Konditionstraining kommt nicht zu kurz. Und das fruchtet. In dieser Saison konnten die Herren in der Zweiten Bundesliga Süd schon beweisen, was in ihnen steckt. In den ersten beiden Spielen gab es auswärts Siege gegen die „Bonn Thunder“ und die „Düsseldorf Rams II“. Damit stehen die Kerpener in der Tabelle auf Platz zwei. Ob sie ihre kleine Siegesserie im ersten Heimspiel der neuen Bundesligasaison am Samstag, 16.30 Uhr, in der Sporthalle am Schulzentrum Horrem/Sindorf ausbauen können? Der Gegner kommt aus Schwabmünchen.

 Die zweite Herrenmannschaft startete weniger gut in die Saison. In der Landesliga Rheinland verlor sie gegen die „Willicher Dragons III“ mit 4:9. Mal sehen, wie es am kommenden Samstag für die Spieler ausgeht. Auch sie treten zu Hause gegen die „Koblenz Knights“ an.

 Bis auf die Juniorenmannschaft haben am Samstag alle Teams Heimvorteil. Und der ist immens, denn die „Barracudas“ haben eine lautstarke Fangemeinde. So spielt die zweite Jugend in der Zweiten Jugendliga West A gegen Duisburg. Das erste Jugendteam trifft in der Zweiten Jugendliga West B, auf Zweibrücken. Die Bambini kämpfen gegen Sterkrade.

 Gerade die Kleinsten sind bärenstark. Bei der Saisoneröffnung spielten sie in einem Freundschaftsspiel die Bockumer „Bulldogs“ mit 7:0 in Grund und Boden. Dabei zeigten sie, dass sie schon relativ laufstark sind und mit dem Schläger umgehen können. Auch wenn sie in der Tabelle zurzeit nur auf dem siebten Rang stehen.

 Dennoch hat der Verein Nachwuchssorgen. „Nächstes Jahr wechseln viele der Bambini in die nächste Altersstufe, daher brauchen wir gerade hier und bei den Schülern neue Spieler“, warb Erik Sauer, der betonte, dass Inline-Sakaterhockey nicht so gefährlich sei, wie es manchmal aussehe. Bei der Jugend bis 18 Jahren werde sogar mit einer Halskrause gespielt, um Verletzungen zu vermeiden. Die Sicherheit der Spieler steht im Vordergrund. „Bei uns passiert genauso viel oder so wenig wie beim Fußball.“
        
    

Christine Blödtner-Piske
   


Diabetiker-Selbsthilfe fürchtet, dass Kassenpatienten künftig schlechter behandelt werden

Leonhard Schmitz
Leonhard Schmitz

“Es geht um unsere Lebensqualität”


23. März 2006   

BERGHEIM. In Deutschland gibt es zurzeit rund 6,5 Millionen Menschen, die an Diabetes erkrankt sind. Etwa 1,5 Millionen unter ihnen werden mit Insulin behandelt. Genau wie Leonhard Schmitz, Gründer der Selbsthilfegruppen für Diabetes in Bergheim, Elsdorf und Bedburg sowie erster Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Selbsthilfegruppen Rhein-Erft. „Ich bekomme das schnell wirkende Analoginsulin“, erzählt er und erklärt: „Das ist für mich sehr praktisch. Nach dem ich gegessen habe, spritze ich es und es ist schnell im Körper verfügbar. Damit bin ich flexibel.“

 Mit dem Normalinsulin sei man als Diabetiker wegen der längeren Wirkdauer auf einen ganz bestimmten Essensrhythmus angewiesen. Jede Mahlzeit und jede Zwischenmahlzeit müsse zeitgenau jeden Tag aufs Neue zu sich genommen werden – ob man Hunger habe oder nicht und ob man Zeit habe oder nicht. Damit halte man die Blutzuckerspitzen in der Waage. Zudem habe das Normalinsulin Nebenwirkungen wie Herzrasen, Unruhe oder Unkonzentriertheit.

Das gebe es mit dem Analoginsulin nicht. Der Vorteil: Man könne essen, wann man will, da es im Körper rasch wirke. Und die Unterzuckerungsgefahr sei geringer. „Ich habe heute morgen das letzte Mal etwas gegessen, weil ich tagsüber keinen Hunger hatte. Somit bin ich unabhängig.“

 Doch Schmitz und andere Betroffene fürchten nun, dass das kurzwirksame Analoginsulin bald nicht mehr kostenlos für Kassenpatienten erhältlich sein wird. Wer dieses Medikament haben möchte, muss womöglich künftig kräftig ins Portemonnaie greifen.

 Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat bei einer vom Bundesgesundheitsministerium beauftragten Untersuchung das Medikament als unwirtschaftlich erklärt. Es sei teurer als Normalinsulin, bringe aber keinen „Zusatznutzen“, der den höheren Preis rechtfertige. Der Germeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat daraufhin festgelegt, das Analoginsulin Kassenpatienten nicht mehr verordnet werden dürfe.

Briefe an die Bundeskanzlerin

Die Hersteller könnten den Preis allerdings auch senken, dann stünde einer Verschreibung von Analoginsulin auch in Zukunft nichts im Wege. Der G-BA ist ein Gremium der Ärzte, Krankenkassen und Krankenhäuser, das den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenkassen festlegt.

 Leonhard Schmitz: “Das bedeutet, dass viele Diabetiker wieder so leben müssen, wie in den siebziger Jahren. Hier wird die Wirtschaftlichkeit vor die Lebensqualität eines Diabetikers gesetzt. Und dazu kommt, dass die Therapiefreiheit der Ärzte eingeschränkt wird. Das kann doch nicht sein”, ....
           
   

Christine Blödtner-Piske